Schlacht von Stockach

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Schlacht bey Stokach.

Den 25. März 1799.

Die Franzosen hatten unter ihrem Befehlshaber Jourdan eine starke Position hinter Stokach genommen, und wollten den letzten angestrengten Versuch wagen, die Armee des Erzherzogs Carl vom Bodensee zu entfernen. Mit Tages Anbruch griffen sie die österreichischen Vorposten mit größter Heftigkeit an. Ein Kartätschenschuß streckt den Fürsten von Fürstenberg todt zur Erde; auch der Prinz von Anhalt-Bernburg fällt schwer verwundet in fränkische Gefangenschaft, und stirbt unmittelbar darauf auf dem Schlachtfelde. Der General von Stippsicz, der an die Stelle des gebliebenen Fürsten von Fürstenberg tritt, setzt den Angriff mit größter Tapferkeit fort. Zu gleicher Zeit steigt der Fürst von Anhalt-Köthen, der mit seiner Cavallerie in diesem Terrain nicht zum Schlagen kommen kann, vom Pferde, stellt sich an die Spitze zweyer Infanterie-Bataillons, und führt sie ins Feuer. Allein die Franzosen leisteten den kühnsten Widerstand. Um dem Kampfe eine günstigere Wendung zu geben, ließ der Erzherzog den rechten Flügel verstärken, und nahm die französische Armee im Rücken. Dieses Manövre entschied; die Franzosen mußten weichen, und nur die eintretende Nacht machte dem Kampfe ein Ende. Der Erzherzog bewies von neuem jene Geistesgegenwart, jenen festen, sichern Blick, der den gebornen General von dem, den nur das Diplom dazu machte, auszeichnet; jene persönliche Tapferkeit, die im entscheidenden Moment mehr durch Beyspiel als durch Commando wirkt. Die Schlacht bey Stokach kostete den Franzosen gegen 5000 Todte und Gefangene; sie entschied für den ganzen Gang des Feldzugs, denn die fränkische Armee konnte nicht mehr offensiv agiren.


Von Reisende.

Christian Ulrich Detlev von Eggers


Schafhausen, den 25sten Mai 1799.
Der Weg führt von Dutlingen in einem Defilé zwischen zwei Bergen durch. Er geht allmählich bergan; doch kommen die höheren Berge erst bei Liebtingen. Vor Liebtingen geht es eine mäßige Anhöhe heran. Hier ward zu beiden Seiten gefochten.
Ich sah mich um, und weilte bei dem Gedanken, daß nun die ganze Gegend wieder Friede und Ruhe athmete. Aber in demselben Augenblick gewahrte ich, daß ich links am Wege an einem Graben auf einen nur halb eingescharrten, nackten Körper trat. Dies trägt sich bei der Eilfertigkeit leicht zu. Die Soldaten scharren ihre Kameraden selbst ein; sie theilen sich dann in ihre schlechten Habseligkeiten.
Wenn Sie auf der Höhe sind, haben Sie nur einen großen, ebenen Bergrücken. Die Gegend schien recht zum Schlagen gemacht zu sein.
Hinter Liebtingen kömmt ein großer Wald, in welchem gerade am stärksten gefochten ward. Dann geht es zwei kleine Hügel herab bis Stockach.
Die Lage von Stockach ist überaus schön. Das Land ist sehr fruchtbar und hat fast keine Abgaben. Die Bürger sind alle wohlhabend. Sie nähren sich vom Feldbau und der starken Frachtfahrt. Eben durch Stockach gehen die Hauptstraßen zwischen der Schweiz, Schwaben und Tyrol. Der nicht hohe Passage-Zoll trägt dem Kaiser doch jährlich 75000 Gulden ein. Die Anzahl der Einwohner mag gegen 1200 Menschen sein.
Das Glück wollte mir so wohl, daß ich an dem Kronenwirth einen Mann traf, der recht zum Cicerone gemacht war. . . .
Kaum hatte ich ihn mit meinem Wunsch bekannt gemacht, das Schlachtfeld zu sehen, als er sich mit der größten Bereitwilligkeit, und zwar eben so uneigennützig, erbot mich herumzuführen. "Sie sollen," sagte er, "auf unserem Wege Gegenden sehen, die nicht schöner in der Schweiz sind."
Wir nahmen unsern Weg auf Nellenburg. Diese Spitze blieb uns links liegen: man sieht das Schlachtfeld am besten von dem Berge vor Nellenburg.
Stockach liegt im Amphitheater, ganz von Bergen umgeben. Die Schlachtordnung der Franzosen machte fast einen halben Zirkel von Singen bis Liebtingen. Nellenburg beinahe gegenüber stand ihr Centrum. Ihre Absicht war Stockach zu tourniren, und dort die starke Reserve, ja vielleicht das Hauptquartier selbst aufzuheben. Deswegen fochten sie besonders bei Liebtingen so hartnäckig.
Auch mein Führer erzählte mir, die persönliche Tapferkeit des Erzherzogs habe den Sieg vorzüglich entschieden. Er stellte sich selbst an die Spitze der Grenadiere. Im Enthusiasmus für ihren Prinzen thaten diese fast das Unmögliche. Die Franzosen mußten weichen, so günstig ihnen auch das Terrain war.
Nachher ward die Französische Kavallerie geworfen. Es soll etwas Schreckliches sein ein solcher Schock. Es dauerte nur einen Augenblick: aber dieser Augenblick ist entscheidend. Dies ist das erschütterndste Schauspiel des Krieges. Man sieht hier unmittelbar handeln; sieht die größte Anstrengung aller Kräfte. Aber es ist selten, daß ein Zuschauer es beobachten kann: denn zu einer solchen Zeit wird niemand nahe gelassen.
Nun giengen wir auf Nellenburg selbst zu. Es sind Ruinen eines alten Schlosses auf einer Bergspitze. Die Berge umher scheinen nicht hoch. Die ganze Gegend ist ungemein fruchtbar und angebauet.
Von hieraus konnten wir das Centrum der Schlacht am besten übersehen. Es wird recht deutlich, mit welchen Schwierigkeiten der Stellung die kaiserlichen Soldaten zu kämpfen hatten. Sie mußten die Kanonen über den Felsen weg, über ungebahnte Wege ziehen, um die Franzosen bei Liebtingen zum Weichen zu bringen.
Viel Blut hat die Schlacht gekostet. Der Erzherzog betrauerte sehr manchen ausgezeichneten Offizier. Als er den Fürsten von Fürstenberg todt auf dem Schlachtfelde sah, rief er wehklagend aus: "Ach! mein Fürstenberg!
Von Nellenburg machten wir jetzt einen trefflichen Spaziergang durch einen kleinen Wald längs dem Berge. Mein Begleiter rühmte mit Recht diesen natürlichen Englischen Garten. Eben diese Nachahmung der Natur ist es, was dem Englischen Geschmack immer mehr allemeinen Beifall giebt.
Plötzlich entfaltete sich hier die Gegend, die vorhin die Bergkrümmung zur Linken von Nellenburg verdeckt hatte. Wir sahen nun auf den Bodensee hin -- die ganze fruchtbare Landschaft bis an den See. Wir sahen in die Schweiz hinein, nach Frauenfeld. Stille war rings um uns her: ein vollkommen heiterer Tag. Man sag ganz deutlich Petershausen, die Berge bei Meinau, Constanz. Der Bodensee ist nur eine kleine Stunde von Stockach entfernt. Sowohl diese Lage als die ganze Gestalt des Bodensees ist auf den bisherigen Karten ganz irrig. Der See war still: das Wasser schön und hell. Ich sah wieder Schiffe mit Segeln. Sie erinnerten mich an mein Vaterland.
Da störte den reinen Genuß der Donner der Kanonen. Sie tönten in der Ferne, wie von der Schweiz her. So nahe bei dem Schlachtfelde von Stockach jetzt vielleicht schon ein neues Schlachtfeld. Und wo ist diesem unersättlichen Herrschgeist das Ziel gesteckt.


Quellen und Literatur.

  • Denkwürdigkeiten aus der Geschichte der österreichischen Monarchie. Auf jedem Tag des Jahrs gesammelt. Von G. A. Griesinger. Wien. Bey J. V. Degen, Buchdrucker und Buchhändler. 1804.
  • Bemerkungen auf einer Reise durch das südliche Deutschland den Elsaß und die Schweiz in den Jahren 1798 und 1799 -- von C. U. D. von Eggers, königlich-dänischem Legationsrath, Oberprocüreur und Deputirten in der Deutschen Kanzlei. Fünfter Band. Kopenhagen, 1809. Bei Christian Georg Prost.