Gerhard von Scharnhorst

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Scharnhorst (Gebhard David von), geboren im J. 1756 zu Hämelsee im Hannöverischen von bürgerlichen Aeltern, die daselbst und nachher zu Bothmar ein Gut gepachtet hatten. Der Vater, durch eine merkwürdige Ungerechtigkeit in einen weitläuftigen Prozeß verwickelt, konnte seinen Sohn nur in die Dorfschule schicken und bestimmte ihn ebenfalls zum Landwirth. Dieser erreichte unter den geringscheinenden Beschäftigungen einer beschränkten Landwirthschaft das 15ten Jahr.

Durch einige Schriften über den siebenjährigen und den österreichischen Successionskrieg, die er beim Pastor fand, noch mehr durch die Erzählungen eines invaliden Unteroffiziers war in ihm der Wunsch geweckt worden, Soldat zu werden. Der Gedanke, einst als Unteroffizier Vorposten zu commandiren, begeisterte ihn schwärmerisch. Endlich gewann der Vater seinen gerechten Prozeß, und damit das adelige Gut Bordenau.

Unfern hatte zu Steinhude der berühmte Graf Wilhelm zu Schaumburg-Lippe-Bückeburg ein Artilleriecorps errichtet und damit die bekannte Kriegsschule verbunden. Niemand wurde ohne des Grafen eigne Prüfung aufgenommen, der der Jünglings zwar von Kenntnissen entblößten, aber gesunden und kräftigen Geist zu wohl erkannte, um ihm den Eintritt zu verweigern. Neuere Sprachen, Geschichte und Geographie, auch höhere Mathematik, Physik und die eigentlichen Kriegswissenschaften waren die Gegenstände des Unterrichts. Scharnhorst bildete sich schnell. Dabei wurden Göthe's Werke, der Wandsbecker Bothe und Youngs Nachtgedanken seine Lieblingsbücher und schärften seinen Sinn für das Rechte, Große und Schöne. Nach fünf Jahren war er Conducteur, als Graf Wilhelm 1777 starb.

Der hannöverische General Estorf verschaffte ihm Dienste als Fähndrich bei seinem eignen Regiment. Er mußte zugleich die Unteroffiziere und selbst die ältern Offiziere des Regiments unterrichten. Damals wurde er auch dem Publicum bekannt durch die Erfindung, Fernröhre mit Mikrometern für den Kriegsgebrauch einzurichten, und durch sehr brauchbare statistische Tabellen.

Im J. 1780 wurde er Lieutenant der Artillerie zu Hannover, zweite und bald nachher erster Lehrer an der damals errichteten Kriegsschule. Nach zwölf Jahren ward er Stabshauptmann und 1793 erhielt er eine Compagnie reitender Artillerie. Sein schriftstellerischer Ruhm war schon durch sein Handbuch der Kriegswissenschaften, dann durch das Taschenbuch für Offiziere und das militärische Journal gegründet.

Im Revolutionskriege gründete er seinen Ruhm als Krieger. Als der hannöverische General Hammerstein 1794 für die schöne Vertheidigung von Menin und dann das kühne Durchschlagen durch einen zehnfach stärkern Feind den Dank seines Fürsten und hohen Ruhm erwarb, erkannte dieser das ganze Verdienst in Plan und Ausführung Scharnhorst zu, der von dem König von Großbritannien einen Ehrensäbel empfieng, zum Major im Generalstabe und bald darauf zum Obristlieutenant ernannt wurde.

Auf Empfehlung des Herzog von Braunschweig|Herzogs von Braunschweig stellte ihn der König von Preußen als Obristlieutenant bei dem damaligen dritten Artillerieregiment an. Nachher in den Generalstab als dritter Quartiermeisterlieutenant versetzt, hielt er zu Berlin Vorlesungen für die Offiziere. Im J. 1804 wurde er Obrist, 1807 General-Major und 1813 General-Lieutenant.

Bei Auerstädt zwei Mal verwundet, folgte er doch dem Zuge Blüchers nach Lübeck als Chef vom Generalstabe desselben. Ausgewechselt eilte er nach Preußen, wo er Antheil an der eylauer Schlacht nahm. Der König, dessen Achtung und Vertrauen er verdienter Weise besaß, ernannte ihn nach dem Frieden von Tilsit zum Präsidenten der Commission zur neuen Einrichtung der Armee. Nachher verwaltete er auf kurze Zeit das gesammte Kriegsdepartement, ward Chef des Ingenieurskorps und empfing die preußischen und russischen Orden. Mit besonnenem Eifer griff Scharnhorst auf das thätigste ein, als für Preußen die Stunde erschien, das Franzosenjoch abzuwerfen. Er leitete die Bewaffnung, die nach seinem Plane geschah.

Als Chef des Generalstabs erschien er im Frühjahr 1813 mit dem Heere Blüchers in Sachsen, ward in der lützner Schlacht durch eine Kartätschenkugel am Fuße verwundet, und starb an den Folgen dieser Wunde, da er sich nicht die erfoderliche Ruhe gönnte, sondern in Aufträgen seines Königs nach Prag und Wien eilte, einige Wochen nachher.

Das dankbare Vaterland, für das er lebte und starb, wird sein Andenken stets in Ehren halten.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.