Expedition von Quiberon

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Zur Geschichte der ersten Emigranten-Expedition auf den Küsten Frankreichs im Juny 1795.

Der Tag auf Quiberon. (21 Jul.)

Der unglückliche Ausgang dieser so schlecht überdachten Expedition der allgemein der Unfähigkeit des Grafen von Puisaye zugeschrieben wird, ist zum Theil in andern Quellen zu suchen. Puisaye hatte bloß die Verwaltung des politischen Fachs, das ihm wegen seinem vermeintlichen Einflusse bey den Chouans übertragen wurde; die militärischen Operationen aber standen ganz allein unter der Direction des Grafen d'Hervilly. Um diesem letztern den Posten als Befehlshaber zu sichern, musten einige verdienstvolle Generale, so wie auch die Commandeurs mehrerer Emigranten-Regimenter in England zurück bleiben, weil sie einen höhern Rang als d'Hervilly hatten. Dieser Mann besaß ganz das Zutrauen des englischen Kriegsministers, Mr. Windham, und sein Ehrgeiz so wie sein Eigendünkel waren zu groß, um sie dem öffentlichen Wohl aufzuopfern.

Der erste große Fehler, den diese bewaffneten Emigranten begiengen, war ihre zu sehr übereilte Räumung von Avray. Hiedurch entzogen sie den Einwohnern des Landes die Gelegenheit, sich mit ihnen zu vereinigen; sie vermehrten den Muth der Republikaner, und erleichterten ihnen die Mittel, Verstärkung zu erhalten. Sie litten es, daß General Hoche mit einer geringern Truppenzahl wie die ihrige, sie in der Halbinsel Quiberon blokirte. Dies kann jedoch einigermaaßen dadurch vertheidigt werden, daß sie den wirklichen Zustand seiner Macht nicht wußten, und daß sie sich nicht einbilden konnten, ein Oberbefehlshaber würde seine Armee weit zurück lassen, und nur mit einem kleinen Corps auf sie losgehen; hiezu kamen andere Betrachtungen, deren behutsame Erwägung den Geist dieser Expedition characterisirte. Die Emigranten wollten nichts wagen, um sich nicht der Gefahr auszusetzen, das Depot ihrer Magazine und Waffen zu verlieren, und einen Ort verlassen zu müssen, wo sie auf Verstärkungen warten, oder im Nothfall ihren Rückzug sichern konnten. In dieser Lage gestatteten sie, daß Hoche mit einem kleinen Corps in Eil zusammengerafter Republikaner eine Postenlinie quer über den Jsthmus zog, worauf er sofort eine Correspondenz mit den Republicanischgesinnten in d'Hervils Armee anfieng, von welchen er sodann alles erfuhr, was er wissen wollte.


Der Versuch am 16ten July, diese Linie zu sprengen, hatte militärische Unwissenheit und Eifersucht zur Quelle. Mehrere Officiere von Ansehn machten Vorstellungen dagegen; besonders that dies M. de Sombreuil, der den Tag zuvor bey der Emigranten-Armee eingetroffen war; er drang in d'Hervilly wenigstens zu warten, bis die beyden Regimenter die er mitgebracht, gelandet werden könnten. Der letztere aber, der nicht einen Augenblick an den glücklichen Erfolg zweifelte, besorgte, nach geschehener Verstärkung die Ehre des Siegs mit Sombreuil theilen zu müssen; er blieb daher bey seinem ersten Vorsatz. Seine Verblendung dabey gieng so weit, daß er die nöthigsten Maaßregeln zum Rückzuge im Fall einer Niederlage, verabsäumte. Hoche wurde genau von dem Plan und der Zeit des Angriffs benachrichtigt, und machte sogleich seine Anstalten, die nur einen unerfahrnen Befehlshaber täuschen konnten. Hinter dem Mittelpunct seines Treffens ließ er zwey flankirende Batterien aufpflanzen, und befahl seinen Truppen, bey Annäherung des Feindes, als von einem panischen Schrecken befallen, sofort die Flucht zu nehmen, und sich eiligst hinter diesen Batterien zu stellen. Hervilly fiel in dies Netz, rückte bis auf einen Pistolenschuß auf die Batterien loß, wurde verwundet, und mit großem Verlust zurückgeschlagen; das ganze Corps wäre damals schon gänzlich abgeschnitten worden, wenn die Republikaner nur einige Cavallerie gehabt hätten.

Nach diesem Unfall waren alle Militär-Personen unter den Royalisten überzeugt, daß ihre Lage sehr mißlich war, sie hatten aber unter sich keinen Befehlshaber von hinreichender Authorität, um entscheidende Maaßregeln vorzuschlagen. Puisaye wollte nichts vom Wiedereinschiffen hören, um nicht die zu ihnen gestoßenen Chouans zu verlassen; dabey schmeichelte man sich täglich, ja stündlich mit einer starken Verstärkung aus England die jedoch ausblieb. So groß war die Täuschung und Sorglosigkeit der Royalisten, daß sie in dieser ganzen Zeit, nichts von der verrätherischen Correspondenz entdeckten, die mitten unter ihren Truppen, durch Hülfe angeblicher Ueberläufer stündlich mit dem Feinde geführt wurde; ja sie übertrugen die Vertheidigung eines wichtigen Postens, eben den Leuten, die die überzeugendsten Beweise gegeben hatten, daß sie beydes ihre Anführer und ihre Sache verabscheuten. Dies führte sodann zur schrecklichen Catastrophe, die am 20sten dieser Expedition ein Ende machte.

Ein großer Theil der Schuld bey dieser so mißlungenen Unternehmung, die für die unglücklichen Gefangenen so traurige Folgen hatte, fällt auf das englische Ministerium, besonders auf den Kriegsminister, Mr. Windham. Die Emigranten hatten ihm gesagt, daß sie ohne Widerstand landen könnten; daß sie viele Freunde im Lande Hätten; und daß diese Freunde zu ihnen stoßen würden, nach dem Maaße der Unterstützung, die sich vor sich sähen. Diese Unterstützung aber blieb gänzlich aus, und die Emigranten wurden allein ihrem Glücke überlassen, das ihnen nie hold gewesen war; sie wurden gelandet, so wie transportirte Missethäter, nicht aber wie die Avantgarde einer Armee, und so blieben sie beynahe einen Monat ohne Hülfe; wären sie auch wirklich fähig gewesen ihren Standort zu behaupten, so würden doch mehrere Wochen verstrichen seyn, bevor sie Hülfe hätten erhalten können.

Man vergleiche diese Saumseligkeit des brittischen Kriegsministers, als bekannten Urhebers dieser Expedition, mit der raschen Verfahrungsart des französischen Generals Hoche. Sobald dieser von der Invasion Nachricht erhielt, eilte er mit den wenigen Truppen, die er in der Geschwindigkeit zusammen bringen konnte, dem Orte zu, wo sich der Feind befand, nachdem er Befehl gegeben hatte, seine Armee schleunig zusammen zu ziehen, und ihm zu folgen; er verjagte die abgesonderten Haufen von Emigranten, und trieb sie alle nach der Halbinsel Quiberon; zog eine Kette von Verschanzungen quer über den Isthmus; schnitt ihre Gemeinschaft mit dem festen Lande ab; öffnete eine Correspondenz mit ihren Soldaten, und hielt ihre ganze Macht blokirt, bis er im Stande war einen entscheidenden Angriff zu thun.


Liste dieser Emigranten-Expedition.

Die sämmtlichen Truppen auf der Halbinsel Quiberon, mit Inbegriff von 3000 Chouans,

bestanden aus . . . . 7508 Mann
Von diesen giengen zu den Franzosen über . . . 800
Todte und Verwundete . . . 500
Zu Gefangenen gemacht . . 4003
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5303
Es entkamen . . . 2205


Diese Entkommenen waren:

Officiere. Unt.Offic. u. Gem.
Vom Regiment la Chatre 12 85
Von Rohan . . 13 63
Vom d'Hervilly oder Royal Louis . . 30 207
Vom Hector, Beon und Perigord . . 19 55
Vom Salm, Damas und Dudresnay . . 19 17
Artilleristen und Ingenieurs 45 313
Chouans . . . 3 1324
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141 2064


Quellen und Literatur.

  • Minerva. Ein Journal historischen und politischen Inhalts herausgegeben von J. W. v. Archenholz. Für das Jahr 1795. Im Verlage des Herausgebers.